Eine ungewöhnliche Besetzung mit ungeahnter Klangfülle und Farbenreichtum: Klavier, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott. Nur fünf Instrumente, und doch entfacht Wolfgang Amadeus Mozart mit ihnen orchestrale Klänge und entlockt ihnen empfindsame Melodien.
Bildquelle: Winter & Winter
CD-Tipp 21.06.2016
Der CD-Tipp zum Nachhören!
Entstanden ist das Quintett in Es-Dur für die Konzerte der Fastenzeit 1784 in Wien. Es ist eine von Mozarts produktivsten Schaffensphasen: Er beginnt sein Werkverzeichnis und vollendet drei hochvirtuose neue Klavierkonzerte. Der Bedeutung seines dreisätzigen Quintetts ist sich der Komponist voll bewusst: "Ich habe 2 große Concerten geschrieben und dann ein Quintett, welches außerordentlichen Beyfall erhalten: ich selbst halte es für das beste was ich noch in meinem Leben geschrieben habe… Ich wollte wünschen sie hätten es hören können: und wie schön es ausgeführt wurde!" Dies schreibt er dem Vater nach Salzburg am 10. April 1784 zur ersten Aufführung neun Tage zuvor. Mozart selbst saß am Klavier, für die Bläser standen ihm die führenden Solobläser Kaiser Josephs II. zur Verfügung. Ihre exzellente Kunst erklärt den neuartigen phantasievollen und freien Umgang mit den Bläserstimmen.
Die Premiere des Werks im Wiener Burgtheater muss für das Publikum im ausgehenden 18. Jahrhundert Schock und Sensation zugleich gewesen sein: So neu wirkten die Farben der Bläser im Dialog mit dem Hammerklavier, so unerwartet die Klanggestaltung, mit der Mozart aus dieser Kleinstbesetzung ein Maximum an Klangvolumen herausholte. Erstmals wohl sind in einer Komposition Klavier und Blasinstrumente vereint, die sonst getrennten Welten angehörten: das Fortepiano bisher solistisch mit Konzerten und Sonaten, die Bläser als Harmoniemusik im Freien. Auf einzigartige Weise sind hier Melodie und Klang miteinander verschmolzen. Fast scheint es, als habe der Bläserklang die melodischen Linien diktiert. Jedes Instrument geht im Kollektiv auf und bewahrt doch seine Individualität, zeigt sich solistisch konzertierend und äußerst kantabel mit einer melodischen Floskel, die sogleich vom nächsten Instrument übernommen und harmonisch wie melodisch fortgesponnen wird.
Die Musiker des Berner Originalklang-Ensembles "Die Freitagsakademie" mit Pianist Edoardo Torbianelli zelebrieren diesen partnerschaftlichen Rollentausch in schönster Eintracht, mit einem reichen dynamischen Spektrum, mit großer Natürlichkeit, frischem Elan und bestechend zarten Dialogen. Ein beseeltes Zusammenspiel vom Feinsten! Melodien, die einem nicht mehr aus dem Kopf gehen und herrliche, fast frühromantische Klangwirkungen. Alle Mitglieder des Ensembles haben sich als Solisten in der Welt der Alten Musik längst einen Namen erspielt. Auf diesem Album zeigen sie nun eine andere Seite der Wiener Klassik in ungewöhnlicher Instrumentation.
Mozarts Quintett KV 452 hat mit seiner genialen Synthese aus konzertierendem und kammermusikalischen Stil übrigens Schule gemacht: Kein Geringerer als Beethoven nahm es 13 Jahre später als Anregung für sein eigenes Quintett op. 16 in der gleichen ausgefallenen Besetzung. Auf der CD ist es ebenfalls zu hören. So hat "Die Freitagsakademie" zwei grandiose Beiträge dieser Gattung zusammengebracht und mit warmen Farben und müheloser Virtuosität zu neuem Leben erweckt. Und wir? Können zumindest ahnen, wie kühn und avanciert diese Werke mit ihrer spektakulären Klangkunst bei ihren Uraufführungen 1784 bzw. 1797 auf das Wiener Publikum gewirkt haben mussten.
Ludwig van Beethoven:
Quintett Es-Dur, op. 16
Wolfgang Amadeus Mozart:
Quintett Es-Dur, KV 452
Die Freitagsakademie:
Edoardo Torbianelli (Klavier)
Katharina Suske (Oboe)
Pierre-André Taillard (Klarinette)
Lyndon Watts (Fagott)
Olivier Darbellay (Horn)
Label: Winter & Winter