Das Münchner Label ECM hat schon etliche CDs mit der Musik von Arvo Pärt herausgebracht. Die Aufnahmen mit Solisten, Chören und Orchestern aus dem Baltikum und besonders aus Estland, der Heimat Pärts, haben immer wieder für Aufsehen gesorgt. Speziell mit dem Dirigenten Tönu Kaljuste sind besonders intensive Darstellungen von Pärts Kompositionsweise und Klangwelt gelungen, wie hier auf "Tractus". Kaljuste sind auf dieser Einspielung seine stärksten Pärt-Momente gelungen.
Bildquelle: ECM
Der CD-Tipp zum Anhören
Klang – Stille; mit wenigen Tönen einen Raum schaffen, wie zum Beispiel in seinem Stück "Sequentia" – das ist die Kunst des Arvo Pärt. Seit Jahrzehnten gelingt es dem estnischen Komponisten, die Musikwelt mit seinen Kompositionen zu begeistern. Das neue Pärt-Album von Manfred Eichers Label ECM hat das Zeug, die Begeisterung weiter anzufachen. Tönu Kaljuste, Pärt-Experte seit Jahrzehnten, leitet das Tallinn Chamber Orchestra und den Estonian Philharmonic Chamber Choir. Musikerinnen und Musiker, die mit Arvo Pärt ganz eines Geistes sind. Ruhe – Klang – Intensität.
Das Spirituelle ist die zentrale Quelle für Pärts Schaffen. Kaljuste und die Ensembles steigen in diese Sphären auf – indem sie beim Musizieren fest auf dem Boden bleiben. Sie spüren in den Partituren die Klangnuancen auf, formen sie mit schier unerschöpflichen Facetten. Wie beispielsweise im Stück "Veni creator": Die einsetzenden Violinen artikulieren fast jeden Ton anders, während der Chorklang sich federleicht und glockengleich darüberhebt.
Diese subtile Farbigkeit, die Kaljuste und seine Ensembles aus Pärts Tönen herauslösen und innig zum Leuchten bringen, verleihen dem Album Magie. Pärts Spiritualität tut sich auf wie die Tiefe eines Nachthimmels, an dem unablässig Sterne glänzen und blinken. Dank der größten Disziplin und Genauigkeit des Handwerks kann es ohne Pathos auch einmal laut und feierlich werden, wie etwa in der Komposition "Cantique des degrés", entstanden zur Feier des 50. Thronjubiläums des Fürsten Rainier III. von Monaco.
Gerade dieses Beispiel zeigt, wie sicher Pärt seine Mittel beherrscht und unbeirrbar ist in seinem Stil. Es ist sehr selten, dass auf einem Album mit zeitgenössischer Musik Tiefe und schiere Schönheit derart fest zusammenfinden. Indem Kaljuste und seine Ensembles Pärts Partituren minuziös beim Wort nehmen, verzaubern sie sie – und mit ihr ihre Zuhörer.
Arvo Pärt – "Tractus"
"Littlemore Tractus"
"Greater Antiphons"
"Cantique des degrés"
"Sequentia"
"L'Abbe Agathon"
"These Words"
"Veni Creator"
"Vater unser"
Estionan Philharmonic Chamber Choir
Tallinn Chamber Orchestra
Leitung: Tönu Kaljuste
Label: ECM New Series
Sendung: "Piazza" am 03. Februar 2024 ab 08:05 Uhr auf BR-KLASSIK
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