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Rolando Villazón im Interview "Ich liebe alles, was ich mache"

Am 11. März tritt Rolando Villazón als Sänger in München auf. Doch er ist auch Romanautor, Intendant und Clown. Um seine vielen Leidenschaften unter einen Hut zu bekommen, wählt er eine radikale Lösung: kein Smartphone, keine Serien, keine Sozialen Medien.

Rolando Villazon 2023. | Bildquelle: picture alliance / Roman Zach-Kiesling / First Look / picturedesk.com | Roman Zach-Kiesling

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BR-KLASSIK: Herr Villazón, Sie haben viele Berufe: Sie sind Regisseur, Tenor, Buchautor, Clown für einen guten Zweck, und Sie leiten ein großes Festival als Intendant. Was ist Ihr Hauptberuf?

Rolando Villazón: Ich liebe alles, was ich mache. Aber natürlich ist alles aus meiner Gesangskarriere geboren. Ich hatte viele Wünsche, als ich klein war. Und einige sind heute glücklicherweise in Erfüllung gegangen. Ich habe ganz früh angefangen zu lesen und auch zu schreiben. Wenn ich etwa jetzt für dieses Konzert in München bin, dann bin ich ein Sänger. Wenn ich in Salzburg bin und die nächste Mozartwoche programmiere, dann bin ich Intendant und der künstlerische Leiter der Stiftung Mozarteum. Und wenn ich zwei Stunden finde, in denen ich schreibe, dann bin ich Schriftsteller. Ich habe auch Freude daran, mit der roten Nase als Clown aufzutreten. Alles, was ich mache, ist letztlich, eine Brücke zu bauen und einen Dialog zu etablieren.

Ich bräuchte Tage mit 28 Stunden.
Rolando Villazón

BR-KLASSIK: Streiten der Romanautor, der Tenor und der Intendant manchmal miteinander?

Rolando Villazón: Vielleicht ein bisschen. Sie streiten über die Zeit, die ich ihnen gebe. Der Tenor braucht Zeit, um neue Rollen zu lernen und eine gute Stimme zu haben. Der künstlerische Leiter braucht Zeit, um Ideen zu haben und kreativ zu bleiben – und um mit den Musikerinnen und Musikern Gespräche zu führen und Programme zusammen zu gestalten. Besonders der Schriftsteller ruft immer: 'Ah, und jetzt bin ich dran!' Dann bin ich vielleicht auch mal zu müde. Ich bräuchte Tage mit 28 Stunden, um alle glücklich zu machen.

Ohne Smartphone, ohne Serie

BR-KLASSIK: Die gibt es leider nicht. Sind Sie jemand, der einen ganz straffen Tagesablauf hat?

Rolando Villazon als Clown für die "Rote Nasen Clown Doctors" in der Kinderklinik SMZ Ost in Wien am 19. November 2010. | Bildquelle: picture-alliance/dpa Bildquelle: picture-alliance/dpa Rolando Villazón: Ich bin nicht sehr strukturiert. Ich mache eine halbe Stunde lang etwas, dann zehn Minuten etwas anderes, dann wieder zehn Minuten etwas. Aber ich arbeite bis ein oder zwei Uhr morgens. Viele E-Mails schreibe ich in der Nacht, weil ich kein Smartphone habe. E-Mails lese ich in der Früh wenn ich aufwache und beantworte sie dann am Abend. In der Zwischenzeit mache ich dann das, was ansteht. Entweder Proben oder Telefonate. Es gibt Interviews wie dieses hier zum Beispiel. Es sind lange Tage, aber alle diese Aktivitäten machen mir Freude. Natürlich braucht man manchmal viel mehr Energie als man dachte. Aber es ist total okay. Ich umarme die Schwierigkeiten, die diese wunderbaren Aufgaben bringen.

BR-KLASSIK: Kein Smartphone, das ist cool, das machen wirklich wenige Menschen.

Rolando Villazón: Ich hatte nie eines und ich bin glücklich. Ich mag es viel lieber, mir Zeit für ein Buch zu nehmen, als mich mit Instagram oder TikTok zu beschäftigen. Das mache ich nie. Ich schaue zum Beispiel auch keine Serien.

Eine Konzertreise durch die Geschichte des Gesangs

BR-KLASSIK: Sie haben sich für das Konzert in München ein Programm mit Arien und Liedern von Donizetti, Verdi und anderen zusammengestellt. Was ist die Leitidee?

Rolando Villazón: Es ist eine Reise durch Opernmusik und Gesang. Wir fangen mit dem Barock an, mit Händel. Und dann gehen wir zu den zwei großen Klassikern. Zuerst ein früher Mozart, ganz nah noch am Barock, das allererste Stück, das er für Orchester und Stimme komponiert hat, als er neun Jahre alt war: "Va, dal furor", für einen Tenor komponiert. Danke schön, lieber Mozart! Und dann gehen wir zu einem als Opernkomponisten fast Vergessenen: Joseph Haydn. Diese wirklich wunderbare Arie aus "L'anima del filosofo" wurde 1791 komponiert – in dem Jahr, in dem Mozart leider gestorben ist. Und wir gehen weiter zum Beginn von Verdis Karriere. Der zweite Teil zeigt dann französische Musik, etwa von Offenbach. Und dann gehen wir wieder zum italienischen Gesang mit Puccini. Es ist eine kleine Reise durch die Geschichte des Gesangs.

Rolando Villazón live in München

Am 11. März tritt Rolando Villazón im Münchner Prinzregententheater auf, begleitet von den Münchner Symphonikern unter der Leitung von Guerassim Voronkov.

Sendung: "Leporello" am 11. März 2024 ab 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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