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Liebeserklärung an Carlos Kleiber Ein Genie des Taktstocks

Am 13. Juli jährt sich der Todestag des großen Dirigenten Carlos Kleiber zum 20. Mal. BR-KLASSIK-Redakteur Volkmar Fischer berichtet, wie er durch Kleiber zur Musik geführt wurde. Kleibers Dirigate – für Volkmar Fischer waren sie elementare Ereignisse.

Carlos Kleiber, undatierte Aufnahme | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bildquelle: picture-alliance/dpa

Kann man jemanden auch und gerade wegen seiner Selbstzweifel lieben? Wenn man nicht den geringsten Anlass für diese Minderwertigkeitsgefühle sieht? Carlos Kleiber hat mich mehrfach einer lodernden Flamme nahegebracht – Frau Musica. An der man sich verbrennen, aber auch wärmen kann, die man zum Leben braucht, weil sie es einem erleichtert, nein, ermöglicht. Ob es da nun um Symphonien von Beethoven oder Brahms ging, um Opern deutscher oder italienischer Prägung: Was waren Kleibers Dirigate für elementare Ereignisse für mein Seelenleben! Wenn er in München oder Wien den "Rosenkavalier" dirigierte, "Die Fledermaus" oder "La Traviata" – hielt ich den Atem an. Oder diese orchestral elektrisierenden Dresdner Aufnahmen von "Freischütz" und "Tristan": Es gab Jahre, da hätte ich sie am liebsten mehrmals nacheinander gehört.

Kleibers Erscheinungsbild – ein ästhetischer Hochgenuss

Heute schätze ich die Video- bzw. DVD-Zeugnisse von Kleibers Interpretationskunst vielleicht mehr noch als die Tondokumente ohne Bild. Weil sich hier mimisch, gestisch, körpersprachlich, vom ganzen Bewegungsmodus des Dirigenten so etwas wie die Komponistenintentionen selbst ablesen lassen – und weil Kleibers Erscheinungsbild bei der Arbeit für sich genommen ein ästhetischer Hochgenuss ist. Zum Beispiel bei den beiden Wiener Neujahrskonzerten. Dass es insgesamt nur eine Handvoll Partituren sind, die er sich aneignete und im Repertoire hatte, jedenfalls in den letzten Jahrzehnten, finden viele traurig. Ich aber sage mir: Wer weiß, ob selbst dieser Mann genug Energie gehabt hätte, um nicht 20, sondern 200 Werke mit Leben zu füllen. Ich bin einfach froh, dass es ihn gab und dass er war, wie er war, was er war: ein Genie des Taktstocks!

Sendung: "Der Vormittag" am 12. Juli ab 9:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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