Seit dem 15. Jahrhundert ist der Name Mozart in Augsburg nachweisbar. Einen zog es trotzdem weg aus der schwäbischen Stadt: Leopold Mozart. Seinen berühmten Sohn bekommt er in Salzburg. Dennoch hat die Familie Mozart Spuren in Bayern hinterlassen.
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Wir wissen nicht, wie es klang bei Mozarts zu Hause am Küchentisch. Aber ein schwäbischer Zungenschlag darf angenommen werden. Denn waschechte Schwaben, das waren sie, die Mozarts. In Augsburg ist der Name seit dem 15. Jahrhundert nachweisbar: die Mozarts sind Bäcker, Bleicher, Fassbinder. Oder Maurer wie Franz Mozart. Seine Wohnung in der Fuggerei kann man heute noch besichtigen. Über dem Eingang erinnert eine Tafel an ihn: "Dieser Bürger der Fuggerei schenkte mit seinem Urenkel Wolfgang Amadeus der Menschheit den größten Tonschöpfer aus schwäbischem Stamm."
Geiger Leopold Mozart. | Bildquelle: imago / Leemage Erst einmal aber schenkt er der Welt den Buchbinder Johann Georg, der wiederum eine gewisse Anna Maria Sulzer heiratet und mit ihr 1719 den Erstgeborenen Leopold zeugt. Leopold Mozart bekommt bei den Jesuiten eine solide musikalische Ausbildung, aber Augsburg ist ihm zu eng. Er wartet nur auf eine Gelegenheit, sich abzusetzen. Die ergibt sich 1737, als sein Vater stirbt. Leopold bricht die Ausbildung am Jesuitenkolleg ab und geht nach Salzburg. Zum Entsetzen seiner Mutter, die zeitlebens nicht gut auf ihn zu sprechen ist. Denn alles, was man in Augsburg von Leopolds Salzburger Existenz erfährt, deutet auf ein Lotterleben hin. Er studiere Philosophie, heißt es, das Studium der Rechte habe er abgebrochen. Und: er schlage sich so durch als Kammerdiener und Hofmusikus. "Vierter Geiger der Hofkapelle", das klingt in den Ohren der Augsburger nicht gerade nach steiler Karriere. Und dann heiratet er auch noch eine Frau aus ärmlichen Verhältnissen. Leopold ist in Augsburg erledigt.
Kein Wunder, dass er sich über ein Vierteljahrhundert nicht in seiner Vaterstadt blicken lässt. Erst 1763 taucht er wieder auf. Aber nicht aus Nostalgiegründen, sondern weil er der Welt etwas zu offenbaren hat: "Das Wunder …, welches Gott in Salzburg hat lassen gebohren werden." Gemeint sind seine beiden genialen Kinder, die Tochter Nannerl und vor allem der Sohn Wolfgang Amadé. Leopold zeigt seiner Familie das Rathaus, besucht Jugendfreunde und Verwandte, nur eine nicht: die Mutter. Nannerl und Wolferl geben Konzerte, zweihändig, vierhändig, sie improvisieren und zeigen Kunststückchen, indem sie Extranummern mit verdeckten Tasten spielen. Der Ertrag ist mäßig.
Vater Leopold Mozart mit seinen Wunderkindern. | Bildquelle: picture-alliance / akg Das eingenommene Geld ermöglicht immerhin die Anschaffung eines Reiseklaviers. Und das ist nötig, denn von Augsburg fahren die Mozarts weiter nach Mannheim, Frankfurt, Brüssel und Versailles bis nach England und schließlich über Holland und die Schweiz die ganze Strecke wieder zurück. Dreieinhalb Jahre dauert das. Die Strapazen sind enorm und bringen die beiden Wunderkinder fast um. Leopolds Mutter sind sie auch auf der Rückreise nicht begegnet. Kurz bevor die Mozarts wieder durch Augsburg kommen, stirbt sie, unversöhnt mit ihrem Sohn.
Augspurg hat nicht lange aufgehalten und mir wenig, ja nichts genützet. Denn was einkam, das ging auch wieder weg, weil alles ungemein teuer ist.
Sein Geburtshaus, das er nicht mehr betreten hat, ist heute das bedeutendste Mozartmuseum auf deutschem Boden. Es würdigt einen Mann, der zwar ein eher durchschnittlicher Komponist und Musiker gewesen sein mag, zugleich aber ein äußerst geschickter Vermittler und Netzwerker war, ohne den es den Wolfgang Amadé, wie wir ihn kennen, vermutlich nicht gäbe. Die Mozarts in Augsburg: An sie erinnern Straßen, Plaketten, Häuser und Denkmäler. Aber was heißt erinnern? Die Mozarts sind in Augsburg seit einem halben Jahrtausend präsent, bis heute. Man muss nur ins Telefonbuch schauen...
Was Max Reger, Johann Pachelbel, Richard Strauss, Dora Pejačević oder Gustav Mahler gemeinsam? Sie alle haben Spuren in Bayern hinterlassen. Wir stellen sie vor und reisen von Garmisch zum Starnberger See, von München nach Ingolstadt, von Bayreuth nach Weiden.
Sendung: "Allegro" am 7. Januar 2025 ab 6:05 Uhr auf BR-KLASSIK
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