Mit 15 Jahren entdeckte Gemma New zufällig das Dirigieren für sich. Inzwischen ist die Neuseeländerin international als Gastdirigentin gefragt. Ihr Steckenpferd: zeitgenössische Musik. In München gibt sie nun mit dem Rundfunkorchester ihr Debüt. Auf dem Programm: Ravel und Strawinsky.
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Die neuseeländische Dirigentin Gemma New entdeckte früh ihre Leidenschaft fürs Dirigieren: Mit 15 Jahren stand sie zum ersten Mal vor einem Orchester – mehr oder weniger zufällig, erzählt sie im Interview mit BR-KLASSIK. Als Konzertmeisterin im Schulorchester wurde sie für ein Überraschungskonzert zum Abschied eines Lehrers gebeten, die Leitung zu übernehmen. "Ich habe mich sofort verliebt", sagt New. Ab da blieb sie dran, übernahm eins der fünf Schulorchester und hatte Mentoren, die sie unterstützten, erzählt sie.
Gemma New schätzt am Dirigieren die Vielfalt: "Ich werde ständig inspiriert." | Bildquelle: Chris Christodoulou
Trotzdem entschied New sich erstmal für ein Geigenstudium. An der University of Canterbury in Neuseeland machte sie ihren Bachelor. Die Faszination für das Dirigieren blieb und so schloss sie einen Master in Orchesterleitung am renommierten Peabody Institute in Baltimore in den USA an, wo sie bei Gustav Meier und Markand Thakar studierte.
Was ihr an dem Beruf besonders gefällt? Die Gelegenheit, wundervolle Musik mit fantastischen Kollegen zu machen. "Ich werde ständig inspiriert", sagt New. Ein weiteres Highlight sei das Reisen, bei dem sie unterschiedliche Herangehensweisen an Musik kennenlerne. Der Beruf des Dirigenten werde niemals langweilig, es gebe für 100 Jahre genug zu lernen.
Vor 50 Jahren saßen nur wenige Musikerinnen in Orchestern, kaum ein Konzert wurde von einer Dirigentin geleitet. Werke von Komponistinnen? Fehlanzeige. Seitdem hat sich viel getan. Wie ist die Lage heute für Frauen in der Klassik?
Einen Schwerpunkt setzt New auf zeitgenössische Musik. 2010 gründete sie das "Lunar Ensemble" Maryland, mit dem sie zahlreiche zeitgenössische Stücke uraufführte. Sie beobachtet, dass es mittlerweile einfacher ist, Neue Musik in Konzertprogramme einzubinden. Das Publikum realisiere, dass es sich dabei um die "Musik unserer Zeit" handele – und wolle sich dazu verhalten können, sagt sie. Viele seien auch neugierig: "Sie wollten etwas Vertrautes hören, das ihnen gefällt, aber auch etwas, das ihren Horizont erweitert."
Menschen wollen etwas Vertrautes hören, aber auch etwas, das ihren Horizont erweitert.
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Seit 2022 ist Gemma New Künstlerische Beraterin und Chefdirigentin des New Zealand Symphony Orchestra. Außerdem tritt sie international als Gastdirigentin auf. Kritiker loben sie insbesondere für ihre Liebe zum Detail und die Fähigkeit, subtile Texturen in der Musik zu entfalten.
Mit einem neuen Orchester zu arbeiten, sei ein Abenteuer und fühle sich an, wie einen neuen Freund zu treffen, sagt New. In der ersten Probe höre sie deshalb vor allem aufmerksam zu. In München ist New nun zum ersten Mal beim Rundfunkorchester zu Gast, auf dem Programm: Maurice Ravels "Tombeau de Couperin", Peter Tschaikowskys Violinkonzert und Igor Strawinskys "Feuervogel"-Suite. "Der 'Feuervogel' ist eines der besten Stücke für Orchester und fürs Publikum", ist New überzeugt. Die Musik erwecke die Charaktere zum Leben.
Sendung: "Allegro" am 4. April 2025 ab 6.05 Uhr auf BR-KLASSIK
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