Die Suche nach einem geeigneten Anfang für die 7. Symphonie führte bei Gustav Mahler zu einer seelischen Krise. Mit ihren beiden "Nachtmusiken", ihren Naturklängen, den naiv-volkstümlichen Motiven und rauschhaften Orchestertutti ist die 7. Symphonie ganz typisch für Mahlers einzigartige Klangwelt. Sir Simon Rattle dirigiert die Siebte nun am Pult seines BRSO.
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Mit der Fertigstellung seiner 7. Symphonie tat sich Gustav Mahler besonders schwer. Obwohl er Teile des Werks, die Nachtmusiken des 2. und 4. Satzes, schon 1904 während der Arbeit an der Sechsten komponierte, stürzte ihn die Suche nach Ideen für den Werkanfang in eine tiefe seelische Depression. Mahler kämpfte mit einer Schreibblockade, die ihn im Sommer 1905 quälte. "Zwei Wochen quälte ich mich bis zum Trübsinn – bis ich ausriß in die Dolomiten! Dort derselbe Tanz und endlich gab ich es auf und fuhr nach Hause mit der Überzeugung, daß der Sommer verloren sein wird", schrieb er frustriert. Erst während einer Bootstour auf dem Wörthersee erlebte er den erlösenden Moment, als ihm das Thema des ersten Satzes einfiel. Von da an flossen die Ideen für die restlichen Sätze förmlich aus seiner Feder.
7. Juli 1860: Gustav Mahler wird geboren
Die Uraufführung der 7. Symphonie fand im September 1908 in der Prager Konzerthalle statt, wo Mahler selbst die Prager Philharmoniker dirigierte. Die Kritiker waren geteilter Meinung und konstatierten eine musikalische Zerrissenheit. Trotzdem erlebte das Werk bei einer späteren Aufführung in München einen überwältigenden Empfang durch das Publikum. Gustav Mahler selbst bezeichnete die 7. Symphonie als "mein bestes Werk und vorwiegend heiteren Charakters". Einem Verleger sagte er, "dass das Werk vorwiegend heiteren, humoristischen Inhalts ist." Die Bezeichnung zweier Sätze als "Nachtmusik" erscheint in diesem Zusammenhang etwas widersprüchlich. Im 18. Jahrhundert jedoch, etwa bei Mozart oder Haydn, war damit schlicht eine zu später Stunde, teilweise im Freien gespielte Serenade gemeint, oder ein vielsätziges, eher hell gestimmtes Werk.
Komponist Gustav Mahler | Bildquelle: picture alliance/Mary Evans Picture Library Mahler betrachtete seine 7. Symphonie als eine Herausforderung für das Publikum: "Denn für ein Publikum, das noch nichts von mir weiß, ist das Werk zu kompliziert." Komplex, aber heiter? Dirigent Sir Simon Rattle erinnert sich in Bezug auf die Musik des Komponisten an einen Moment mit dem London Symphony Orchestra: "Nach einem Konzert von Mahlers Neunter meinte ein Musiker zu mir, es sei wunderschön, das zu spielen, aber zu Hause anhören würde er sich das nicht, es sei ihm zu melodramatisch, dann lieber Kammermusik von Mozart", so der Chefdirigent des BRSO. Er habe Verständnis für diese Aussage, aber als Dirigent könne er den Zugang zu Mahler eben selbst wählen: "Als Dirigent kann man sich entscheiden, welche Welt man gerne einen Spalt öffnet."
Gustav Mahlers 6. Symphonie erschien Anfang des Jahres auf CD: eingespielt vom BRSO unter Leitung von Chefdirigent Sir Simon Rattle.
Die enge Beziehung zwischen dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und Gustav Mahler hat ihre Wurzeln in den 1960er Jahren, als Rafael Kubelík regelmäßig die Symphonien des Komponisten aufführte. Diese Tradition wurde von Dirigenten wie Mariss Jansons, Bernard Haitink und Colin Davis fortgeführt. Im Rahmen des Mahler-Festivals 2023 stand Daniel Harding im Leipziger Gewandhaus am Pult und dirigierte Mahlers 7. Symphonie. Als Chefdirigent des Bayerischen Rundfunkorchesters führt Rattle seine Mahler-Exegese fort, die bereits mit dem "Lied von der Erde", den Rückert-Liedern, der Neunten und der Sechsten begann. Für das BRSO ist Mahler in München also eine Art Heimspiel. Nach den Konzerten in der Isarphilharmonie schlägt Sir Simon Rattle aber ein neues Kapitel auf: Ende des Monats wird er das Werk im Rahmen seiner ersten BRSO-Asientournee in Japan und Tawain präsentieren.
Harrison Birtwistle: "Donum Simoni MMXVIII" (A Gift for Simon 2018)
Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 7 e-Moll
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
Simon Rattle, Leitung
BR-KLASSIK überträgt das Konzert am Freitag, den 8. November ab 20.05 Uhr live im Radio.
Bereits am 7. November findet ein Konzert in der Münchner Isarphilharmonie statt.
Sendung: "Leporello" am 7. November 2024 ab 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK
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