27. Februar 1935: Die Sopranistin Mirella Freni wird geboren. Ihre Mimí brachte Karajan zum Weinen – zum zweiten Mal seit dem Tod seiner Mutter! Singen war ihre natürliche und notwendige Ausdrucksform. Sie berührte durch die schlichte Innigkeit ihres Gesangs – kunstvoll, aber nie künstlich!
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Geboren wurde Mirella Freni in Modena, genau wie einige Monate später Luciano Pavarotti. Ihre Mütter arbeiten gemeinsam in einer Tabakfabrik. Mirella und Luciano haben sogar dieselbe Amme, wobei Mr. Big P wohl etwas mehr Milch abbekommt als die zierliche Sandkastenfreundin. In Sachen Karriere zieht keiner der beiden den Kürzeren – Anfang der 1960er-Jahre erobern sie die Bühnen der Welt, oft gemeinsam als Traumpaar der italienischen Oper.
Seit ihrem Debüt an der Mailänder Scala als Mimi 1963 unter Herbert von Karajan gilt Mirella Freni als ideale Verkörperung der "soave fanciulla", der sanften Blumenstickerin Meister Puccinis. Ihr inniger, zarter und doch warmer Stimmcharakter prädestiniert sie für jene Frauengestalten, die nicht von großen Gesten leben, sondern von der stillen Kraft ihrer Gefühle. Karajan ist Fan und Förderer der jungen Sopranistin: "Das, was einen sofort angesprochen hat, war ihre Menschlichkeit, ihre Natürlichkeit und ihr völliges Aufgehen in dem, was sie getan hat."
Sie hat eigentlich nicht gesungen, es hat aus ihr gesungen.
Mit Karajan wächst Mirella Freni von leichteren, lyrischen Rollen wie Susanna oder Nanetta in große dramatische wie Aida oder Desdemona hinein. Doch als der Maestro sie als schwerkalibrige Prinzessin Turandot besetzen will, ist es Zeit für ein klares Nein. Fortan bestimmt sie selbst ihr Repertoire und ihre kluge Rollenauswahl beschert ihr eine 50-jährige krisenfreie Bühnenkarriere.
In einem Alter, da andere Sopranistinnen sich von der Bühne zurückziehen, erarbeitet sich Mirella Freni noch neue Partien wie Cileas Adriana Lecouvreur oder Giordanos Fedora. Sie stirbt 2020 kurz vor ihrem 85. Geburtstag – doch im Herzen vieler Opernfreunde wird sie immer die "soave fanciulla" bleiben – eine Künstlerin, deren Kunst in der Natürlichkeit lag und deren Gesang immer durchleuchtet war von der Tiefe ihrer Emotion.
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Luciano Pavarotti & Mirella Freni: "O soave fanciulla", La Boheme | San Francisco 1989
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Sendung: "Klassik-Stars: Zum 90. Geburtstag der Sopranistin Mirella Freni" am 28. Februar ab 18:05 Uhr auf BR-KLASSIK