Geiger Christian Tetzlaff scheint mit der Politik von US-Präsident Donald Trump nicht einverstanden. Nun geht er einen radikalen Schritt und sagt Konzerte ab.
Bildquelle: © Giorgia Bertazzi
Der deutsche Geiger Christian Tetzlaff hat angekündigt, seine anstehende Tour in den USA abzusagen. Als Grund dafür nennt Tetzlaff im Gespräch mit der Zeitung "New York Times" (externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt) die Politik von US-Präsident Donald Trump.
Die aktuellen politischen Entwicklungen in den USA beunruhigten den Musiker zunehmend. Konkret kritisiert Tetzlaff etwa Trumps "Umarmung" von Russland und sein Verhalten gegenüber der Ukraine, Kürzungen bei den US-Bundesangestellten und politische Änderungen gegenüber Transgendern. "Ich fühlte mich wie ein Kind, das einen Horrorfilm sieht", sagt Christian Tetzlaff.
Die Entscheidung sei ihm nicht leichtgefallen, er habe sehr mit sich gerungen, sagte Tetzlaff dem NDR. "Für mich ist der Grund, dass ich absage, weil in Amerika absolute Stille herrscht, bei Musikern, bei Orchestern, selbst bei Politikern. Wir würden alle erwarten, dass jetzt Millionen auf der Straße sind, denn es wird alles abgeschafft, wofür Amerika stand." Als Beispiele nannte er Frauenrechte, Gleichberechtigungs-Themen, Umweltschutz und den Umgang mit Angestellten der US-Behörden. "Die Liste ist endlos, aber keiner kommentiert es", kritisierte der Musiker. Stillsein sei keine Option. Der "Mangel an Mitgefühl für die Leute, die jetzt leiden" erschüttere ihn.
Der Musiker sieht auch Menschen in Deutschland in der Verantwortung. "Die Zeit der Unschuld ist leider vorbei. Wir erwägen aufzurüsten – das ist für mich entsetzlich, aber bestimmt im Moment die einzige Möglichkeit." Er nannte konkrete Schritte, die Menschen hierzulande gehen könnten, etwa keine Teslas kaufen, Amazon und Facebook meiden. Es sei wichtig, nicht nur zuzuschauen, sondern zu handeln.
Tetzlaff trat bislang häufig in den USA auf. Auf seiner Internetseite waren die geplanten US-Termine zunächst noch aufgeführt und sind mittlerweile gelöscht. Für März waren acht Kammermusik-Konzerte gelistet, unter anderem in San Francisco, in der Carnegie Hall in New York und an der Yale School of Music. Die Carnegie Hall teilte zum ursprünglich für den 27. März 2025 geplanten Konzert auf ihrer Internetseite mit: "The Tetzlaff Quartet has regrettably cancelled its US tour, including its scheduled performance at Carnegie Hall."
Tetzlaff überlegt laut Times, weitere Konzerte in den USA im Sommer und Herbst abzusagen, wenn die Regierung ihren Kurs nicht ändere. "Ich fühle eine tiefe Wut. Ich kann mit diesem Gefühl im Inneren nicht weitermachen. Ich kann nicht einfach eine Tour mit schönen Konzerten spielen." Was in den USA passiert, werde aus seiner Sicht verleugnet oder verschwiegen.
Unterhaltungskonzerte in den USA kann sich Tetzlaff auch in Zukunft vorerst nicht vorstellen. Anders sehe es womöglich aus, wenn es um Benefizkonzerte für die Ukraine oder für Frauenrechte in den USA gehe. "Wenn es etwas ist, was die Situation für die Amerikaner thematisiert, die unter der Politik leiden, dann kann ich mir vorstellen, ein Konzert zu spielen, aber als Unterhaltungsprogramm im Moment nicht", sagte er dem NDR.
Auch der Cellist Jean-Guihen Queyras protestiert gegen die Trump-Politik und spendet Konzerteinnahmen für die Ukraine. | Bildquelle: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Jun Yasukawa
Die New York Times ist in ihrer Einschätzung eindeutig: Tetzlaff sei einer der ersten großen ausländischen Künstler, der versuche, Trumps Politik mit einem kulturellen Boykott zu beeinflussen. Tetzlaff selbst sagte dem NDR, er würde sich wünschen, dass Musikerinnen und Musiker, die es sich leisten könnten, ebenfalls aktiv werden. Sie könnten zum Beispiel die Hälfte ihres Honorars für einen Fonds spenden, der entlassenen amerikanischen Familien hilft. Mit seinem Beispiel inspirierte Tetzlaff bereits: Der französische Cellist Jean-Guihen Queyras spendet sein Honorar aus US-Konzerten für die Ukraine.
Sendung: "Leporello" am 3. März 2025 ab 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK
Kommentare (18)
Mittwoch, 12.März, 15:31 Uhr
Mathias Schumacher
Christian Tetzlaff
Meine große Hochachtung und Respekt für ihre Haltung und Schritte in Bezug auf die desaströse Politik von Trump.
Ich hoffe das einige mehr ob Kulturschaffende egal aus welchem Land sich ihrer Aktion anschließen.
Viel Erfolg dazu.
Freitag, 07.März, 18:40 Uhr
Günter Jeschonnek
Christian Tetzlaff
Sehr geehrter Herr Tetzlaff,
mit großem Respekt lese ich von Ihrer Entscheidung, Ihre Konzerte abzusagen und damit ein Signal gegen das Schweigen oder die Ignoranz zu setzen. Ich engagiere mich ebenfalls für die Ukraine und deren Selbstbestimmungsrecht auf Frieden, Freiheit und Demokratie. Ich wundere mich über die geringe Gegenwehr in den USA gegenüber dem völlig indiskutablen Kurs von Trump, der die Charta der Vereinten Nationen und die verbrieften Menschenrechte schamlos mit Füßen tritt. Ich hoffe darauf, dass sich endlich die prominenten Demokraten in den USA zu Wort melden und den Weg in die Despotie lautstark zurückweisen.
Donnerstag, 06.März, 12:55 Uhr
Vera Lange
US-Politikwechsel
Herr Tetzlaff hat eine sehr couragierte Entscheidung getroffen! Danke! Erschreckenderweise bleibt (nicht nur) die US-amerikanische Künstlerszene weitgehend stumm. Und das, obwohl die neue US-Politik den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Putins unterstützt und die Position der Ukraine bewusst schwächt. Damit machen sich Trump und Konsorten mitschuldig an dem Blutvergießen! Und was ist die russische Gegenleistung? Stillhalten, wenn Trump sich Kanada, Grönland und den Panama-Kanal einverleibt? Wo bleibt der Aufschrei der demokratischen US-Amerikaner? Wieso schweigt der Friedensnobelpreisträger Obama?
Mittwoch, 05.März, 21:37 Uhr
Ludwig Mandelartz
Zivilcourage
Danke Herr Tetzlaff für Ihr Zeichen und Ihre damit verbundene klare Ansage!
Ihre Zivilcourage imponiert uns sehr.
Wir freuen uns auf Ihr Festival Spannungen in Heimbach. In dieser Region kämpften amerikanische Soldaten verlustreich in der Ardennenoffensive gegen das NAZI Regime in Deutschland.
Und jetzt das in den USA, unglaublich.
Mittwoch, 05.März, 19:18 Uhr
Kek
Das ist ein Witz
Offensichtlich kann man als weltbekannter Musiker die Saiten auf der Bühne nicht mehr im Einklang mit den politischen Tönen in den USA spielen. Vielleicht hätte er vorher besser seine eigene Haltung überdacht: Ein Künstler, der sich so einfach von der Bühne der Weltpolitik vertreiben lässt, wirkt eher wie ein schlecht gestimmtes Instrument, das bei jeder unangenehmen Note gleich das Handtuch wirft. Vielleicht hätte er sich einfach der Herausforderung gestellt – oder sich gleich auf eine Tour durch die Nordkoreanische Philharmonie begeben, wo Trump wohl auch noch ganz gut ankommt.
Dienstag, 04.März, 07:44 Uhr
Niki Wechelmann
Danke
Danke Herr Tetzlaff für die Entscheidung.
Montag, 03.März, 22:36 Uhr
Dr. Bertram Schneeweiß
Konsequent
Danke an Christian Tetzlaff und sein Quartett für die klaren Worte und die konsequente Haltung. Das Regime Trump ist menschen- und kulturfeindlich. Dies zeigt nicht zuletzt deren Umgang mit dem Kennedy-Center. René Fleming hat Trump ebenfalls den Gehorsam verweigert. Das sind Signale!
Montag, 03.März, 22:03 Uhr
Engelshofen
Entscheidung
Sehr gut diese Entscheidung! Ich hoffe, dass nicht nur viele Künstler diesem Beispiel folgen!!!!
Montag, 03.März, 21:11 Uhr
Anja Bötel
Absage Konzert Tetzlaff
Respekt Herr Tetzlaff! Das ist sicher keine leichte Entscheidung gewesen und kostet nicht nur Geld. Die US-Fans werden alle enttäuscht sein, aber wer einen verurteilten Verbrecher wie Trump gewählt hat muss auch total bekloppt gewesen sein und hat nichts anderes verdient. Die anderen Fans werden es verstehen.
Montag, 03.März, 20:34 Uhr
David Friedman
Tetzlaff
Hut ab für diese nicht leichte Entscheidung!
Montag, 03.März, 20:05 Uhr
Margareta Klefenz
Danke
Respekt und Dank für diese Entscheidung.
Montag, 03.März, 20:02 Uhr
Ralf Noltensmeier
Keine falschen Kompromisse, keine billigen Konzessionen an den Musikbetrieb, sondern zeigen, dass man mit der Musik als Kunst für etwas Überragendes einsteht - im Konzertsaal wie in der Öffentlichkeit überhaupt. Danke, Christian Tetzlaff!
Montag, 03.März, 18:51 Uhr
Friedrich Krammer
US TOUR ABSAGE
Wenn es das Budget erlaubt, mein Respekt dem Künstler! Bravo.
Montag, 03.März, 18:31 Uhr
B. Schmid
Den vorausgegangenen Kommentaren kann ich mich nur anschließen. Die Absage von Tetzlaff wird Trump zwar wurscht sein (wenn der es überhaupt mitkriegt), aber ein Signal ist es allemal.
Montag, 03.März, 16:09 Uhr
Sabine Noll
DANKE!
Danke für dieses konsequente Zeichen! Wir alle sollten nun unser Handeln überdenken.
Montag, 03.März, 15:18 Uhr
Gustav
Legitim, aber stromlinienförmig
Die Kriegstreiberei der senilen Marionette Biden war für Tetzlaff also in Ordnung, und jetzt, wo endlich das Abschlachten von Russen und Ukrainern ein Ende zu nehmen scheint, dann wähnt sich der Geiger in einem "Horrorfilm"?
Schon die politischen Einlassungen seiner Schwester waren aus meiner Sicht etwas seltsam. Das alte Wort von Pfarrerskindern kommt einem wieder in den Sinn.
Montag, 03.März, 15:08 Uhr
Susanne Mensing-Varila
Bravo
Mutig, richtig und konsequent. Große Hochachtung!
Montag, 03.März, 14:07 Uhr
Johannes Huber
Respekt!
Großen Respekt!