Von ehrgeizigen Plänen zu einer bayerischen Weltraum-Oper war gestern bei BR-KLASSIK zu lesen – mit Jonas Kaufmann in der Titelrolle! Eine kuriose Idee, die von Musikfans natürlich schnell als April-Scherz entlarvt wurde. Denn sein jüngster Auftritt führte den Publikumsliebling nicht ins Weltall, sondern "nur" in die Münchner Isarphilharmonie, wo er gemeinsam mit Diana Damrau und Pianist Helmut Deutsch einen Liederabend gestaltete.
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Auf der Opernbühne sind die Repertoire-Schnittmengen für Diana Damrau und Jonas Kaufmann deutlich geringer geworden, seit er sich in Richtung Richard Wagner vorangetastet und seine Kollegin die großen Belcanto- und Strauss-Heroinen für sich entdeckt hat. Eine gemeinsame Leidenschaft, die sie immer wieder zusammenführt, bleibt jedoch der Liedgesang. Was im Fall dieses Konzertes bedeutete, dass sie ausgewählte Nummern von Richard Strauss keineswegs blockweise nacheinander abfertigten, sondern als Dialog zweier verliebter Herzen miteinander verwoben. Keine ständigen Auf- und Abtritte, sondern ein bestens miteinander vertrautes Paar, bei dem jeder sein Gegenüber genau beobachtete und stumm auf kleine Spitzen oder Komplimente im Text reagierte.
Die Rollen waren klar verteilt. Kaufmann präsentierte sich mit "Zueignung" oder "Ich trage meine Minne" zunächst als der ebenso zart wie sehnsuchtsvoll Schwärmende, während Damrau für die humorvoll augenzwinkernden Momente zuständig war – quasi auf den Spuren ihrer einstigen Glanzpartie als Zerbinetta. Und dies, obwohl ihre Stimme inzwischen vor allem in der samtigen Mittellage an Farben und Ausdruck gewonnen hat.
Lieder über die Liebe: Ein Interview mit Jonas Kaufmann über Emotionen auf der Bühne, die Arbeit mit Damrau und Rituale vor dem Auftritt.
Auf die Probe gestellt wurden beide Sänger allerdings gleich zu Beginn. Eine Zuhörerin im ersten Rang störte mit Zwischenrufen den Liedreigen so vehement und unnachgiebig, dass sie schließlich vom Sicherheitsdienst aus dem Saal getragen werden musste. Umso bewundernswerter war es, wie professionell das Trio auf der Bühne sein Programm fortsetzte. Wobei sehr wohl zu spüren war, dass Damrau und Kaufmann danach zunächst nicht ganz so entspannt unterwegs waren wie gewohnt – und der unschöne Zwischenfall erst noch ein wenig verarbeitet werden musste.
Kaufmann, Damrau und Deutsch bei einem Liederabend in Prag. Die Sopranistin, der Tenor und der Pianist sind ein eingespieltes Team. | Bildquelle: Petr Dyrc
Als Fels in der Brandung fungierte Helmut Deutsch, der am Klavier eben nie nur begleitet, sondern sich auch diesmal mit hoher Präsenz als gleichwertiger Partner in Szene setzte und kleine Konzentrationsschwächen mit Routine schnell ausbügelte. Deutsch ist ein ausgewiesener Lied-Experte, der seit Jahren eng mit Kaufmann und Damrau arbeitet. Diese Vertrautheit war auch diesmal deutlich zu spüren – und ist gerade bei einer so intimen Kunstform wie dem Lied das A und O, mit dem ein solcher Abend gelingen kann.
Das Kunstlied hat es schwer: Liederabende verkaufen sich meist schleppend. Allerdings nicht bei Jonas Kaufmann.
Den stärksten Eindruck hinterließen zweifellos die beiden Mahler-Blöcke nach der Pause. Mit neuem Fokus hatte Diana Damrau bei den Auszügen aus "Des Knaben Wunderhorn" die Gelegenheit, ihren Sopran sanft strömen zu lassen, während Jonas Kaufmann bei den "Rückert-Liedern" die inhaltlichen Nuancen zwischen den Zeilen auslotete. So filigran, wie er hier ans Werk ging, mochte man kaum glauben, dass er bei den Tiroler Festspielen in Erl derzeit parallel Wagners "Parsifal" probt. Aber wer kann, der kann eben!
Nach diesem hoch emotionalen Intermezzo wurden bei der Rückkehr zum Garmischer Meister dann noch einmal die Rollen getauscht. Nun mit einem im Überschwang der Gefühle badenden Kaufmann – dem seine Gesangspartnerin mit zarten, in sich gekehrten Selenbildern konterte. Ein effektvolles Finale, in dem die Sänger mit der "Heimlichen Aufforderung", dem "Morgen" und "Cäcilie" auf der Zielgeraden noch einmal die großen Strauss-Ohrwürmer mit viel Herzblut zelebrierten. Was den etwas eigenwilligen Bruch zur Operetten-Zugabe (Johann Strauss' "Wiener Blut") zumindest ein klein wenig abfederte.
Sendung: "Allegro" am 02. April 2025 ab 6.05 Uhr auf BR-KLASSIK
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