Die Pianistin Lilit Grigoryan hat ein neues Album veröffentlicht: "Sonata facile". Eine Sammlung von Sonatinen und "leichten" Sonaten. Doch in der Musik sind die einfachen Dinge oft schwerer als sie scheinen. Ein Gespräch.
Bildquelle: Reiner Nicklas
BR-KLASSIK: Lilit Grigoryan, "Sonata Facile" heißt Ihr neues Album mit einem schönen und geheimnisvollen Cover. Zu sehen sind Sie, dann ein blanker, schwarzer Flügelrücken und umgeschubste Dominosteine. Was ist das Motto, was Sie daraus schließen?
Lilit Grigoryan: Das Motto daraus ist das Spielhafte und die Tatsache, dass jedes Spiel gleichzeitig leicht, aber auch schwer sein kann. Man spielt ja das Klavier letztendlich. Die Werke dazu können dementsprechend leicht und gleichzeitig schwer sein.
BR-KLASSIK: Titelgebend ist die "Sonata Facile" von Wolfgang Amadeus Mozart, KV 545, also ein eher spätes Werk. Was vielleicht als Hinweis auf eine musikalische Reife gedeutet werden könnte? Oder ist es eben doch eine einfache Sonate, wenn man den Titel mal übersetzt?
Lilit Grigoryan: Nachdem Mozart das Werk vollendet hatte, betitelte er das Stück quasi als eine einfache Sonate für Klavieranfänger. Aber ich glaube tatsächlich, es ist auf gar keinen Fall eine leichte Sonate. Allein wenn man den zweiten Satz mit den schönen lyrischen Themen nimmt, die sehr leicht und einfach klingen sollen. Genau da ist immer die Schwierigkeit: etwas sehr Leichtes offensichtlich leicht klingen zu lassen.
Genau da ist immer die Schwierigkeit: etwas sehr Leichtes offensichtlich leicht klingen zu lassen.
BR-KLASSIK: Können Sie sich noch erinnern, als Sie Klavierschülerin waren und diese Sonate zum ersten Mal gespielt haben?
Lilit Grigoryan: Ich muss beichten, dass ich genau diese Sonate als Kind nie gespielt habe.
BR-KLASSIK: Vielleicht war es ja damals zu leicht für Sie? Oder man hat damals mehr auf die Fingerfertigkeit geachtet?
Fallende Dominosteine: Das Albumcover zu "Sonata facile". | Bildquelle: Berlin Classics
Lilit Grigoryan: Man braucht aber auch gute Fingerfertigkeit, um zum Beispiel den ersten Satz zu spielen. Da sind sehr viele Tonleiterläufe drin. Ich denke aber auch, dass natürlich vieles, was man als Kind als leicht empfindet, man später im Erwachsenenleben vielleicht doch nicht als so leicht wahrnimmt. Das sehe ich auch bei meinem Sohn. Er ist jetzt zweieinhalb Jahre alt. Die Art und Weise, wie er die Welt erkundet und wie er Sachen lernt und imitiert: Es fällt ihm einiges so leicht!
BR-KLASSIK: Also muss man sich immer so eine kindliche Beweglichkeit erhalten, nicht nur im Kopf, sondern auch im Körper.
Lilit Grigoryan: Das wäre, glaube ich, schön für ein gesundes Leben.
BR-KLASSIK: Fällt es Ihnen leicht, sich jeden Tag zum Üben zu animieren, oder ist das schwer?
Lilit Grigoryan: Je nachdem. Es gibt Tage, an denen ich sehr gerne übe, weil ich im Üben einen meditativen Prozess sehe, reinigend für meinen Kopf, für mein Gehirn und auch für meine Seele. Und dann gibt es wiederum Tage, an denen ich am liebsten überhaupt nicht üben würde. Gerade wenn die Sonne scheint, möchte ich mich wirklich nicht mit dem Klavier einschließen.
BR-KLASSIK: Scheint die Sonne heute in Rostock?
Lilit Grigoryan: Leider nicht.
BR-KLASSIK: Also ab ans Klavier.
Lilit Grigoryan: (lacht)
Sendung: "Allegro" am 26. Februar 2025 ab 6:05 Uhr auf BR-KLASSIK
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