Sergej Prokofjews komisch-lyrische Oper "Die Verlobung im Kloster" wird selten außerhalb von Russland aufgeführt. Das Theater an der Wien setzt das Werk nun aufs Programm. Für hohen Unterhaltungswert sorgen dabei im Suff feiernde Mönche und ein riesiger Fisch.
Bildquelle: Werner Kmetitsch
Basierend auf der englischen Komödie "The Duenna" von 1775 schrieb Sergej Prokofjew seine komisch-lyrische Oper "Die Verlobung im Kloster" 1940. Die Uraufführung fand wegen des zweiten Weltkrieges erst 1946 in St. Petersburg statt. Inspiriert von seiner Librettistin und späteren zweiten Ehefrau Mira Mendelssohn hatte Prokofjew Lust, sich auf satirische Weise zeitlosen charakterlichen Schwächen der Menschen im Hinblick auf die Partnerwahl zuzuwenden. Das Stück spielt in Sevilla und handelt – ähnlich wie "Figaros Hochzeit" – von zwei jungen Liebespaaren und zwei älteren Menschen, die heiraten möchten. Das geschieht auch, aber erst nach großen Turbulenzen.
Ausgangspunkt ist die geplante Hochzeit zwischen dem alten, wohlhabenden Fischhändler Mendoza und der jungen Luisa. Die will natürlich einen anderen, und zwar den jungen Antonio. Luisas Anstandsdame, die Duenna, dagegen sieht in Mendoza ihren Traummann.
Mönche im Kloster als geldgierige Trunkenbolde: Szene aus der Wiener Inszenierung Prokofjews "Die Verlobung im Kloster". | Bildquelle: Werner Kmetitsch
Luisas Bruder Ferdinand hat nach einem unangekündigten Besuch im Schlafzimmer eine Beziehungskrise mit seiner Clara, die sich gekränkt ins Kloster zurückzieht. Dort treffen sich mehr oder weniger inkognito alle Heiratswilligen und erbitten von den stets im Suff feiernden Mönchen den Segen für ihre Verbindung.
Besonders im letzten Akt wird "Die Verlobung im Kloster" richtig frech und durchaus blasphemisch, denn die Mönche im Kloster sind geldgierige Trunkenbolde. Regisseur Damiano Michieletto zeigt sie als Bierkrug schwingende Horde mit Miedern und Strapsen unter den orthodoxen Kutten. Zuvor spielt sich die von Prokofjews ausdrucksstarker Tonsprache getragene Satire in den nüchternen Bühnenräumen von Paolo Fantin ab, der einen riesigen Fisch aus dem Schnürboden herabsenkt – Sinnbild der Begierde der alten Männer.
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Ein riesiger Fisch symbolisiert die Begierde der alten Männer in Prokofjews Verlobung im Kloster. | Bildquelle: Werner Kmetitsch
Vater Don Jerome preist die Vorzüge seiner Tochter dem Fischhändler Mendoza an, der mit einem Loblied auf alle Meeresfrüchtchen kontert. Kein Wunder, dass da der dicke Fisch an der Angel ein Eigenleben entwickelt und den kuppelnden Vater zu verschlingen droht. Evgeny Akimov als Don Jerome trifft den selbstgerechten, väterlichen Ton perfekt und verkörpert bis zuletzt den Ahnungslosen in dieser sich stetig steigernden, außergewöhnlich intensiven Neuproduktion der außerhalb Russlands selten aufgeführten Prokofjew-Oper.
Faszinierend, wie Dirigent Dmitry Matvienko die enorme Bandbreite der schillernden Partitur voller kleiner augenzwinkernder Zitate und Hinweise auf "Figaros Hochzeit" oder den "Barbier von Sevilla" zwischen großem Bombast und zarter Kantilene zusammen mit dem furios aufspielenden ORF Radio-Symphonieorchester Wien von der mächtigen Ouvertüre bis zum orgiastischen Finale dem staunenden Wiener Publikum präsentiert und das bestens disponierte Sängerensemble in seiner Spiel- und Sangesfreude immer weiterträgt.
Solisten und Chor überzeugen mit Spiel- und Sangesfreude bei Prokofjews "Verlobung im Kloster" am Theater an der Wien | Bildquelle: Werner Kmetitsch
Elena Maximova als Duenna mit Pfiff lässt trotz angekündigter Indisposition keine Makel hören, Stacey Alleaume und Anna Goryachova als verliebte junge Mädchen Luisa und Clara überzeugen in ihrer Gegensätzlichkeit ebenso wie die beiden jugendlichen Helden Vladimir Dmitruk und Petr Sokolov als Antonio und Ferdinand. Die Solisten und Choristen des Arnold Schoenberg Chors glänzen in den finalen Massenszenen und den witzigen Nebenrollen der Diener, Zofen und schrägen Patres.
Die neue Wiener "Verlobung im Kloster" ist eine unterhaltsame Entdeckung in ihrem eigenwilligen Kontrast von bewusst reduzierter Szene zu einer vor Einfällen und Klangfarben brodelnden Musik, deren Sog man sich nicht entziehen kann. Den dicken Fisch sollte man nicht nur in der Fastenzeit aufs Opern-Menü setzen.
Sendung: "Allegro" am 27. März 2025 ab 6:05 Uhr auf BR-KLASSIK
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