Die Osterfestspiele Salzburg schlagen ein neues Kapitel auf. Ab 2026 kehren die Berliner Philharmoniker und Kirill Petrenko als festes Orchester zurück. Zum Auftakt steht eine Neuinszenierung von Richard Wagners "Ring" auf dem Programm. Weitere Details zu den Plänen.
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Die Berliner Philharmoniker kehren ab 2026 zu den Osterfestspielen Salzburg zurück – und starten mit einer Neuinszenierung von Richard Wagners "Ring des Nibelungen". Das gaben die Salzburger Osterfestspiele am Mittwoch bekannt. Damit knüpfen sie zusammen mit ihrem Chefdirigenten Kirill Petrenko an die Wurzeln an: Dirigent Herbert von Karajan gründete die Salzburger Osterfestspiele 1967 und eröffete mit der "Walküre" aus dem "Ring". 2026 präsentieren die Berliner Philharmoniker bei den Osterfestspielen den Auftakt der Tetralogie, das "Rheingold".
Kirill Serebrennikov übernimmt "Ring"-Inszenierung bei den Osterfestspielen Salzburg. | Bildquelle: picture alliance/Alexey Kudenko/Sputnik/dpa
Die Inszenierung übernimmt der russische Regisseur Kirill Serebrennikov. Nikolaus Bachler, Intendant der Osterfestspiele, beschreibt Serebrennikov als einen "der ideenreichsten, originellsten, kompromisslosesten Operndeuter der Gegenwart".
Serebrennikov sagte, er wolle den "Ring" in ein "Mysterium der Mythenbildung" verwandeln, das Künstlerinnen und Künstler aus verschiedenen Kulturen vereine. "Mir schwebt eine Art Welttheater vor, in dem sich aus den Bildern, die von der Volkskunst Afrikas, Asiens und Amerikas inspiriert sind, neue Glaubensvorstellungen formen; die Überreste des technologischen Erbes werden zu verlassenen Heiligtümern", so der Regisseur. Die zeitliche Linearität zerfalle in Mosaiksteine, die Wagners Musik wieder zusammenfüge.
Die Rollen werden prominent besetzt: Bariton Christian Gerharer gibt sein Debüt als Wotan. Ebenfalls mit dabei: Brenton Ryan als Loge, Leigh Melrose als Alberich, Catriona Morison als Fricka, Sarah Brady als Freia und Jasmin White als Erda.
Intendant Bachler beschreiben die Gegenwart als Zeit, in der "Gewissheiten auf dem Prüfstand stehen" und ein "Weiter so" in keinem Lebensbereich ausreiche. Für die Programmauswahl seien daher etwa folgende Fragen leitend gewesen: Wie kann sich eine Gesellschaft organisieren, die innerlich und äußerlich gefährdet ist? Wie ist es möglich, dass jeder sein persönliches Glück findet und zugleich das Gemeinwesen gedeiht?
2028 wird der Ring-Zyklus unterbrochen und stattdessen erstmals bei den Osterfestspielen Arnold Schönbergs "Moses und Aron" zu hören sein. Die Verantwortlichen wollen mit dieser Kombination Verbundenheit mit der Tradition und den Blick nach vorne verbinden. Beiden Werken sei "das Revolutionäre in ihren musikalischen Mitteln" gemeinsam; beide beschrieben zudem "Gesellschaftsentwürfe für eine Welt, deren geistige Fundamente zerschellt sind oder die im Laufe der Handlung zugrunde gehen".
Dazu stehen mehrere große Orchesterkonzerte auf dem Programm. Geplant sind etwa Gustav Mahlers 8. Symphonie mit Kirill Petrenko, Joseph Haydns "Schöpfung" unter der Leitung von Daniel Harding und Hector Berlioz' "Symphonie fantastique" mit Tugan Sokhiev. Dazu sind Kammerkonzerte vorgesehen. Inhaltlich wollen sie Gegensätze und Kontroversen aufgreifen.
Osterfestspiele Salzburg ab 2026 mit Wagners "Ring" und Schönbergs "Moses und Aron". | Bildquelle: BR/Herbert Ebner
Die Berliner Philharmoniker waren bei der Gründung der Salzburger Osterfestspiele zunächst festes Residenzorchester. Nach 2012 zogen sie sich jedoch zurück und wechselten ins Festspielhaus nach Baden-Baden. In Salzburg übernahm zunächst Christian Thielemann mit der Sächsischen Staatskapelle, zuletzt gab es mehrere Orchester und Dirigenten. Ab dem kommenden Jahr wollen die Berliner Philharmoniker die Osterfestspiele in Salzburg wieder permanent bestreiten.
Sendung: "Leporello" am 2. April 2025 ab 16.05 Uhr auf BR-KLASSIK
Kommentare (1)
Mittwoch, 02.April, 15:34 Uhr
T.S.
Weia! Waga! Woke, du Welle
"Mir schwebt eine Art Welttheater vor, in dem sich aus den Bildern, die von der Volkskunst Afrikas, Asiens und Amerikas inspiriert sind, neue Glaubensvorstellungen formen; die Überreste des technologischen Erbes werden zu verlassenen Heiligtümern"
Mit anderen Worten: Wagners Wille, das germanische Erbe seines Volkes auf die Bühne zu bringen, wird abermals verhöhnt, und alles wird zu einer "woken" Triumphparade vor dem Hintergrund der - auch kulturellen - Zerstörung Europas
Bachlers Wirken war mir schon in München unlieb, aber mittlerweile scheinen ja alle Dämme zu brechen. Verachtenswert.
Der Regisseur sind übrigens wie ein HipHop-Produzent aus. Von mir aus kann man das Ganze auch zu einem Rap-Spektakel verhunzen, da ich mir das auf jeden Fall nicht antuen werde.